Törn 2026 Die Inseln des Dodekanes

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24.04.2026
Mit teilweise bis zu 35 kn Wind in Böen und deutlich über 8 kn Fahrt durchs Wasser, rauschen wir raumschots Richtung unseren Lieblingshafen Ormos Marathokampou. Oh - wie wir die Fahrt ge- niessen! Wir freuen uns über die Bilderbuchatmosphäre und dass wir keine Termine mehr haben. So schön, wieder hier zu sein. Abends gehen wir mit anderen Seglern noch in ein Restaurant. Der Wirt kennt uns noch vom letzten Jahr. Es gibt nur eine kleine Auswahl auf der Karte, da noch Vorsaison. Mit einer gebürtigen Russin sprechen wir über den Ukrainekrieg. Ihre Meinung ist, dass es immer 2 bei einem Streit gibt…. Ausserdem zeigt sie uns noch Johannesbrotbaumfrüchte und erinnert mich daran Kaffee aus Zikorie zu probie- ren.
Glücklich wieder angekommen. Schön hier!
Ca. 19.30 Uhr kommen wir bei unserem Boot auf der Werft in Karlovasi an. Wir haben nur eine Segelreise- tasche dabei. 22 kg hat sie. 20 kg davon sind Ersatzteile und an- derer Bootskram. Unsere Kleidung lassen wir immer auf dem Boot. Alles ist trocken geblieben. Es ist und riecht kein bisschen feucht.
Wir sortieren unsere mitgebrachten Sachen ein und planen unsere Arbeiten für die nächsten Tage auf der Werft. Die Werft hat über den Winter den unteren Teil des Ruderblattes nachträglich noch mit Epoxianstrich versehen und das Bohrloch in der unteren Kante verschlossen. Im Ruderblatt stand im Herbst etwas Wasser, welches jetzt Zeit hatte abzufliessen. Abends gehen wir in eine Bar direkt an der Hafenkante Abend essen. Es gibt nur eine Art griechische Hamburger und Salat. Wir nehmen beides. Der Salat hat sehr viel Mayonnaise. In der Nacht wird mich das viele Fett noch wach halten.
Martin geht gleich ans Polieren des Edelstahls. Ich kaufe ein, so dass wir uns Abends selbst bekochen können. Ausserdem lasse ich mir das Paket mit F2 Produkten, welches ich zur Werft direkt habe liefern lassen, aushändigen. Ich muss das Ruder und die Stellen unter den Pflöcken, auf denen das Boot auflag und den Boden des Kiels, noch mit dem neuen Antifouling behandeln. Ich frage die Werft, ob wir übers Wochenende in den Kran dürfen. Das vereinfacht für mich viel, denn dann muss ich nur einmal die Farbbüchsen aufmachen und anrühren.
Wir bekommen unsere neue Ankerkette. Statt wie bisher 50 m (davon die letzten 5 m ziemlich verrostet) haben wir jetzt künftig 80 m zur Verfügung. Ich muss aber gestehen, dass wir die ersten 30 m sehr sorgfältig in den Ankerkettenraum fallen lassen mussten, damit die Kette keine Häufchen bildet. Mal sehen wie das in der Praxis noch wird. Notfalls müssen wir wieder ein paar Meter abschneiden. Allerdings habe ich noch die Hoffnung, dass die Kette im nassen Zustand leichter in den Ankerketten- raum fällt. Jedenfalls haben wir die Kette jetzt wieder schön markiert. So dass alle 10 m uns die Farbe der Markierung sagt, wieviel Meter jetzt genau draußen sind.
Es ist Samstag und die Werft hängt uns am frühen Nachmittag in den Kran. Ich wasche sogleich die zu be- handelnden Flächen mit einem Spezialreiniger ab. Danach streiche ich einen Zweikomponen- tenprimer auf. Der ist viel einfacher zu verstreichen, als der letzte Primer vom Herbst. Allerdings deckt er nicht so schön und er ist viel heller. Abend als es gerade schon dämmrig wird, bringe ich die 2. Lage - das Adhesive Coat von F2 auf. Morgen früh kann dann die 3. Lage gestrichen werden und Montag können wir dann ins Wasser. Alexander dichtet uns noch eine Fuge am Heck mit Silikon ab. Seine Fugen werden wirklich schön.
Irgendwann stehen relativ viele Männer dabei und sehen mir beim Streichen zu. Aris sagt: „Ich weiss gar nicht, wo ihr immer eure Frauen herkriegt. Die können schaffen!“
Noch vor dem Frühstück streiche ich noch die Stellen mit dem Top Coat. Martin assistiert mir und schleift immer eine Palette dorthin, wo ich sie gerade benötige… Die Stellen mit dem neuen Primer werden jetzt insgesamt viel heller - also weisser als die alten. Das ist aber nur ein optisches Thema. Ausserdem ist das Unterwasserschiff bekanntlich im Wasser und insofern ist die Optik sowieso egal. Wir hoffen jedenfalls, dass uns der F2 Anstrich mindestens die 5 versprochenen Jahre hält.
Die Werft will uns um 10 Uhr im Wasser ha- ben. Von uns aus gerne! Um 12 Uhr sind wir dann tatsächlich drin. Die Seeven- tile werden noch auf Dich- tigkeit gecheckt. Dann gehts los.
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Wir haben strahlend schönes Wetter und es ist nahezu windstill. Also wasche ich alle unsere Kissenbezüge und die messingfarbenen Auflagen auf unseren Polstern. Beim improvisierten Aufhängen an der Genuaschot wird mir wieder bewusst, dass ich nicht im Kurzurlaub bin und wie schön das für mich ist. Der letzte Rest an Feuchtigkeit weicht dann schließlich über Nacht im Boot aus den Kissenbezügen. Wir kaufen Trinkwasser in Flaschen (in unserem Tank haben wir vor Verlassen des Bootes Silberionen eingefüllt, sodass das Wasser nicht so schnell veralgt) und beschließen Abends Patitirigarnelen zu kochen (Spaghetti mit Garnelen und viel Knoblauch). Als wir auf dem Rückweg beim Hafenmeister vorbeilaufen fragt er uns, ob wir mit ihm und einem anderen Paar zusammen grillen möchten. Ja wollen wir! Also läuft Martin nochmals zu dem Lädele und kauft tiefgekühlte Hühnchenspieße ein. Den Hähnchenblock (ca. 10 Spieße) bekomme ich natürlich nicht so schnell aufgetaut - also würze ich den ganzen Block und stelle noch eine Art Griechischen Salat her. Wir sitzen also beim Apero als noch 3 weitere Segler auftauchen und eingeladen werden. Es wird ein geselliger Abend mit allerhand Anekdoten. Ein Holländer erzählt uns, dass er vor 3 Jahren sein Segelboot in Marmaris zu einem erstaunlich guten Preis verkaufen konnte. Die Käuferin sagt, dass sie an solchen Booten interessiert sei. Er geht im Folgejahr wieder auf die Suche nach einem neuen Boot für sich. Er findet zwei und kauft das eine für sich und fragt die damalige Käuferin, ob sie noch an einem solchen Boot interessiert sei. Ja - ist sie. Es muss aber nach Marmaris gesegelt werden. Das nimmt er auf sich und segelt es von Korfu nach Marmaris. Irgendwann erhält er einen Anruf von der griechischen Polizei. Man hätte sein Boot gefunden?! Später stellt sich die damalige Käuferin als Strohfrau heraus. Die Boote sind nach der Eigentumsübertragung komplett leergeräumt worden, um Flüchtlinge in die EU zu transportieren….
Wir testen den Dinghimotor. Er springt sofort an und Martin macht eine Probefahrt in der Hafeneinfahrt. Als er zurückkommt, ist der Motor richtig heiss und dampft. Wir vermuten, dass der Impeller kein Kühlwasser gefördert hat. Ohje - hoffentlich haben wir jetzt kein Problem damit. Wir sagen dem Hafenmeister, dass wir einen Techniker benötigen, der den Suzukimotor gründlich wartet und auf evtl. Schäden checkt. Angeblich will der Techniker bereits morgen Mittag kommen…. Wir sind ziemlich zerknirscht, denn bisher war der Motor sozusagen die Zuverlässigkeit in Person. Lediglich Martin liebäugelt schon lange mit einem elektrischen Motor. Deswegen habe ich ihn schon lange im Verdacht, den Außenborder etwas stiefväterlich zu behandeln. Wir diskutieren die Situation - das Wetter ist kalt und windig - und kommen zu dem Schluss, einen elektroangetriebenen Außenborder zu kaufen. Der Vorteil ist, dass dieser sehr leicht ist und ich ihn auch anlassen kann. Bei dem Verbrenner fehlt bei mir einfach immer der Schwung. Und weil wir gerade im Kaufrausch sind und Martin bald Geburts- tag hat, bestellen wir noch eine Baby Tylor Gitarre nach Samos. Ich werde am 27.04.2026 nochmals kurz aus familiären Gründen nach Hause fliegen und Martin 2 Wochen hier auf dem Boot alleine lassen. Man muss ihn sicher nicht bedauern. Es wird hier für ihn schön sein. Aber klar - eine kleine Liste haben wir schon, was er alles in dieser Zeit noch auf dem Boot erledigen kann. Achja und und den Suzukimotor möchten wir gerne trotzallem wieder repariert zurück haben, falls die Reparatur überhaupt möglich ist. Dann haben wir vorläufig ein Backup.
Da ich am 27.04. nochmals für 2 Wochen nach Hause fliegen werde, wasche ich heute unsere Wäsche, die sich seither angesammelt hat. Zum Beispiel beziehe ich die Betten ja immer frisch wenn wir anreisen und es gibt immer ein paar gebrauchte Handtücher noch an Bord. Ausserdem befüllen wir die Frischwassertanks mit Reinigungsmittel. Das haben wir zuletzt vor 2 Jahren gemacht und wir finden, dass dies wieder einmal sinnvoll sein könnte. Es soll 24 h stehen…. Damit haben wir eine wunderbare Ausrede für einen Restaurantbesuch. Wir gehen also Abends essen und machen anschließend einen Filmabend für uns beide an Bord.
25.04.2026 Der Tag ist ziemlich bedeckt. Wir lassen das Wasser mit dem Reiniger ab und befüllen mehrmals mit frischen Wasser. Ich sitze an der Homepage und befestige außerdem provi- sorisch die Schutzplane über dem Dinghi. Dann muss das in der Sonne nicht so garen bis ich wieder komme. Es fällt mir schon ein bisschen schwer, von hier zu gehen. Hier ist einfach Urlaubsstimmung spätestens seit wir nicht mehr auf der Werft stehen. Abends wollen wir noch in den Nachbarort zu Fuß laufen. Dort ist ein tolles Restaurant mit wirklich besonderer, neuer kreativer griechischer Küche. Wenn ich aus Deutschland zurückkomme, werden wir ver- mutlich keine Muße mehr haben, dorthin zu wandern. Eine Seglerin eines Nachbarbootes will uns begleiten.
Wie schon im letzten Jahr kann ich den alten Fischer unter den Bäumen beobachten, wie er seine Angelleinen sortiert. Zenti- meter für Zentimeter fährt er mit den Fingern ab und löst kleine Verunreinigungen oder Knötchen. Er scheint endlos Zeit zu haben… Hier wird man wirklich entschleunigt und zufriedener. Der Tag ist relativ ungemütlich und wir sitzen die meiste Zeit im Boot. Wir haben zeitweise sogar kurz die Heizung an. Abends sitzen wir wieder mit den Holländern beim Hafen- meister zusammen. Die geben allerhand Anekdoten von sich. Einer bietet Kojen- charter auf einem Catamaran an. Ein Deutscher ist auch dabei, der Kanus und Canadier aus Holz selbst baut und auch Kurse dazu gibt. Alles ohne Leim oder Nägel… In der Seglergemeinde lernt man immer wieder tolle, interessante Menschen mit interessanten Geschichten kennen….
:-)
Marina Ormos von oben
Marina Ormos bei Nacht